2. Historischer Excurs

Nach Josef Duss von Werdt wird das Wort Mediation von dem Verb mederi (Heilen, Kurieren) abgeleitet. Ebenso haben sich medicina, die Heilkunst und auch meditatio, Meditation (innere Anschauung, Besinnung) aus dem Stammverb entwickelt. In den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern wurden mediative Elemente zur Lösung von Streitigkeiten eingesetzt. In der chinesischen und japanischen Kultur ist der Mediationsgedanke durch Religion und Philosophie seit jeher präsent. Harmonie und ein starker Gemeinschaftssinn prägten das gesellschaftliche Leben. Im antiken Griechenland vermittelten unparteiische Städte zwischen zerstrittenen Stadtstaaten. Im Mittelalter setzte die Kirche in Westeuropa Priester bei Familienstreitigkeiten, Straftaten und in der Diplomatie ein.

Das heutige Mediationsverfahren stammt aus den USA und wurde in den 60er und 70er Jahren entwickelt. Der gesellschaftliche Wandel, der sich durch die damaligen Vietnamproteste, Bürgerrechtsbewegungen und Studentenunruhen äußerte, bereitete den Weg für neue alternative Streitbeilegungskonzepte. Durch die Aufhebung der Rassentrennung wurden friedliche und gewaltfreie Verhandlungs- und Konfliktlösungsstrategien benötigt, um einerseits eine Überlastung der Gerichte und andererseits gewalttätige Ausschreitungen auf der Straße zu vermeiden. 1979 wurde an der Harvard Law School das sogenannte „Harvard-Konzept“ entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein konstruktives Verfahren der Verhandlungstechniken und des Konfliktmanagement. Ergebnis dieses Konzeptes sind die Gewinner-Gewinner-Lösungen (win-win), das heißt es sollen alle Konfliktbeteiligten durch die ausgearbeiteten Lösungen gewinnen.

Die Mediation wird in vielen anderen Ländern zunehmend angewendet und erfährt in Deutschland ebenfalls ein immer stärker werdendes Interesse.